Günter Bartoschs Bücher (aus 2013)
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Das ist Teil 5 der ausgelagerten Ereignisse

Das "Ziel Nummer 1" ist erreicht: Die Entlassung aus der Reha

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Mittwoch am 27.7. - der Auszug bzw. Umzug in den "Urlaub"
"Von der Reha-Klinik ins Seniorenheim"

Damit ist vorerst mal der "Urlaub von der Reha-Klinik" gemeint, obwohl es mit der Rehabilitation kräftig weiter gehen soll - und auch muß. Nach Wochen in der gleichen Station/Abteilung wird auch das tollste Essen langweilig, (wenn dem Koch nichts mehr einfällt). Doch noch ist das linke Bein zu schwach zum Stehen und die linke Hand zu schwach zum Festhalten an irgendwelchen Griffen.

Das neue Zimmer oder Appartement (für die sogenannte Kurzzeitpflege) von ca. 4 Wochen schaut nicht so prickelnd toll aus wie auf den bunten (Verkaufs-) Prospekten angezeigt. Der deutliche Unterschied zu dem Zimmer in der Reha-Klink ist erheblich. Aber mal sehen, was wir draus machen.

Eigentlich wollten wir den Patienten in eine (andere Wiesbadener) Nobelherberge "senden" bzw. "verschicken", doch die war ihm etwas zu "elitär" bzw. zu "feudal". Er "wünsche" sich eher eine Art Studentenbude, und, wie es der Zufall so will, . . . . nun hat er sie. - Freudige Ausnahme: Der Terapeut im Keller jedoch, der hats gut drauf und das macht Mut.
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Donnerstag - Der zweite Tag im Seniorenstift

Heute war ich den ganzen Tag in Frankfurt und wollte erst Abends vorbeikommen. Wie "versprochen" ist er ziemlich der Jüngste der Bewohner, natürlich nicht auf das Personal bezogen. Die Anfangsschwierigkeiten sind einkalkuliert und müssen noch "repariert" werden.

Auf jeden Fall ist dem Patienten - wie auch mir - aufgefallen, die Stimmung in diesem Haus ist zumindest auffällig anders, und das Haus soll ja zu den edlen Häusern in Wiesbaden zählen. Der riesige Bau ist an vielen Stellen unpraktisch bis hinderlich und renovierungebedürftig, was ja zur Zeit auch im Gange ist. Dennoch hat man (auch als Gast, erst Recht als Betreuer) irgendwie das Gefühl, in einem umgebauten Studentenwohnheim zu sein. - Mangels Begrüßung und geführtem Rundgang hat sich dieser Eindruck später aber als falsch herausgestellt. (Es gibt nämlich zwei Häuser, das alte und das neue.)
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Schade ist auch, daß weder Festnetz-Telefon noch Internet-Zugang in diesem temporären Zimmer zu mieten gehen. Es sind alles nur Kleinigkeiten, von der viel zu kleinen Ablage im Bad, den wenigen Haken für Handtücher und Nacht-Kleidung, dem einen einzigen Sicherheits-Schlüssel für 6 Schranktüren und der 15cm Schwelle der Balkontüre, die für Rollstühle und/oder Rollatoren erstmal unüberwindbar ist.

Was auch auffällt, der Fernseher, oft die einzige Ablenkung für die Nachtstunden, ist eine schlimme Gurke aus der Bildröhrenzeit von vor 20 Jahren, unscharf und zu dunkel, einfach nicht mehr zeitgemäß - vor allem, wenn man den gigantischen Preisverfall dieser Technik mit einbezieht. Auch die zugehörige Fernbedienung ist heutzutage inakzeptabel. Schade. In einem Kurzzeit-Pflegezimmer hätte ich einen kleinen Kühlschrank erwartet, den der Kurzzeit-Gast sicher nicht mitbringen kann (darf ?). Doch den braucht er, vor allem bei 28 Grad im Schatten. Wissen Sie, wie Cola-Light oder Schorle bei 28 Grad schmecken, einfach scheusslich.

Nora, die Freundin des Patienten, die immer so gut kocht, wurde beim Eintreffen um 19.50 darauf hingewiesen, daß "um 8 der Laden dicht ist". Sie hatte natürlich auch bemerkt, daß das Gebäude an manchen Ecken etwas in die Jahre gekommen war. Ich bin also heute am Donnerstag nicht dort gewesen, es war bereits nach 20.oo Uhr. - Jetzt gilt es abzuwägen, ob die ruhige exklusive Lage direkt am sehr gepfegten Wiesbadener Kurpark diese kleinen Schwächen aufwiegt.
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Freitag - Rundgang im Seniorenheim auf eigene Faust

Man muß einfach wissen, daß man Fragen stellen muß und darf. Auf Nachfrage erhält man nämlich die Auskunft, daß es im ersten Stock eine Lobby gäbe, in der auch das Internet frei verfügbar wäre. Also nichts wie hin und mal schnuppern. Es gibt dort wirklich eine recht große und komfortabel und optisch sehr gut ausgestattete "Halle" mit Bilbliothek und schweren Sesselgrupen und riesen Fenstern samt einer sehr schönen Garten-Terrasse. Im 7. Stock gibt es dazu eine (Sonnen-) Dachterrasse - auch mit großen Fenstern - nach Süden hin mit einem beeindruckenden Blick über Teile von Wiesbaden. -
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Nicht nur im 1. Stock, auch im Keller ist (noch) eine riesige Bilbliothek . . . .

Wenn man es nicht weiß, übersieht man die Tür im Untergeschoß von Haus 2. Heute war sie offen und es ist wie ein gigantisches Blumenmeer. Zum Lesen reicht ein normales Leben nicht mehr aus. Es ist alles da, von Belletristik bis sonstwohin, einfach alles und das in riesigen Mengen.
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Ein neuer Fernseher mußte her

Und dann ist heute der der alte Fernseher ausgefallen. Dieser alte Röhrenfernseher ging einfach nicht mehr und da war Handlungsbedarf angesagt. Wir haben in Wiesbaden 4 Media- und Saturn Märkte. Es sei mal dahingestellt, ob Wiesbaden das überhaupt braucht. Diese 4 Märkte machen sich sogar untereinander deutliche Konkurrenz. Am End gab es in einem der Märkte einen mit LEDs betriebenen 80cm LCD Fernseher für sagenhafte 279.- Euro mit allem drum und dran. Ein Freund von mir hat ihn dann (mit mir zusammen) geholt und wir haben ihn - es war gerade Abendessenzeit - bis ins Zimmer gebracht.

Bei meinem inzwischen dritten Besuch im Seniorenheim an diesem Freitag habe ich den Fernseher provisorisch aufgestellt und der hatte selbsttätig insgesamt sogar 350 Sender gefunden. Die Laune besserte sich zusehend. Während der automatischen Sendersuche wurden ein Pfirsich und zwei Äpfel verspeist. Das zeigt, selbst der Appetit war wieder da. Jetzt fehlen nur noch die Therapie- Verordnungen des Arztes und es kann möglichst bald weitergehen.
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Samstag der 30.7. - Der neue Fernseher ist eine Wucht

Richtig zusammen geschraubt habe ich ihn zwar erst heute, also einen Tag später, aber die Nacht war gerettet. Die junge lustige Pflegerin am Abend war richtig goldig und das hat auch viel zur guten Stimmung beigetragen. Am Abendessen arbeiten wir noch - nämlich keinen Käse und kein trockenes Weizenbrot.

Auf dem für 16 Euro angeschafften 64 Gigabyte USB Stick sind jetzt schon 2 Filme und sämtliche Bilder drauf, auch diese hier von den Webseiten.
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Sonntag - Allererster Kurzbesuch im Wiesbadener Kurpark

Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah. Der Wiesbadener Kurpark ist ganz sicher einer der Schönsten in Deutschland. Und er liegt direkt - also wirklich direkt vor der Haustür. Darum gab es heute einen ersten halbstündigen Ausflug in die Sonne und an den Kurpark-Weiher oder -Teich mit der Riesen-Fountäne - alles im Rollstuhl. Diesmal habe ich beide Beinstützen angeschraubt, denn das wäre beim ersten Mal zu mühsam geworden. Dennoch war es ein voller Erfolg - und als es dann zum Abendessen - wie gewünscht - zwei Sorten Knäckebrot mit 4 Sorten Schinken und Wurst gab, war die Freude riesengroß. Sogar eine Banane kann sich der Patient wünschen und bekommt sie auch. Fazit : Das Tal der Tränen scheint durchschritten.
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Montag der 1.8. - der Tag war ausgefüllt

Das mit dem fehlenden Kühlschrank war nicht förderlich, ein kleiner Kühlschrank musste her. Und auch ganz simple Haken, um das DART Spiel aufzuhängen und weitere Kleinigkeiten. Außerdem hatte ich eine befreundete Krankengymnastin eingeladen, dem Patienten überhaupt mal das Machbare und die Prozduren bei der mobilen terapeutischen Unterstützung darzulegen. Die Erwartungshaltung (aus der Reha) mußte auf ein reales Maß korrigiert werden. Auch am Rollstuhl war noch Einiges zu schrauben, dafür braucht man aber Inbusschlüssel. Zwischendurch noch das Terapeuten-Rezept geholt und an der Rezeption abgegeben und schon war der ganze Nachmittag und Abend rum.
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Dienstag

Es hatte den ganzen Tag geregnet. Dann habe ich den Kühlschrank ausgepackt und mit einer Flasche Zerocola gefüllt und den Rollstuhl ummontiert und dann sind wir zum Abendessen gerollert. Das Abendessen war heute schon feudal, 4 Sorten Wurst, 3 Sorten Brot und alles fertig geschmiert und belegt, dazu noch frische Radieschen und am Ende eine eisgekühlte Banane. Da wurde sogar ich neidisch.
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Mittwoch - Vieles geht hier im Haus recht schleppend

Es hatte schon wieder bis Nachmittags geregnet. Obwohl ich bereits am Montag Abend das 10er Rezept für die Physiotherapie am Tresen abgegeben hatte, ist weder gestern noch heute irgend etwas passiert, nicht mal ein Kontaktbesuch des Therapeuten. Dafür waren wir in der Regenpause erneut im Kurpark und haben die große Runde ausprobiert. Doch das war schon zu viel für die müden Knochen, auch für meine Knochen, denn ich muß ja den Rollstuhl die Kurpark-"Rampe" wieder raufschieben und dann später noch den Berg rauf Nachhause radeln. Das müssen wir noch etwa mehr üben.
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Mist, es regnet immer noch Binfäden, den ganzen Tag

So bin ich eben bei Nieselregen losgeradelt und habe eine Inhaus-Rallye vorgschlagen. Wir sind dabei erst mal durch den Keller gerollert zur Physiopraxis. Dort wurde mit einiger retorischer Mühe eine Terminplanung angekurbelt - alles sehr schwerfällig. Danach sind wir in die riesen Keller-Bibliothek gerollert und haben eine völlig verstaubte Edel-Stereoanlage vorgefunden und jede Menge Schallplatten, aber kein Reinigungmaterial für Geräte oder Platten - schade. Heute hatte es übrigens Märchenstunde für Erwachsene gegeben - richtig goldig sogar mit Märchenkostüm. Dann sind wir in die große Lobby in den ersten Stock gerollert und haben dort sowohl das 5m hohen Bücherregal bewundert als auch in ein paar Bildbänden geschmökert. Es ist genügend zum Lesen da. Im Zimmer habe ich auch das Schachspiel schon aufgestellt.
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Freitag - 1.Übungsstunde und dann Beschäftigungstherapie

Die Steroanlage geputzt
leckeres Abendbrot

Sehr überraschend kam der Therapeut heute doch noch zu einer 20 Minuten Übungsstunde. Nachmittags sind wir in die Bibliothek in den Keller gerollert und haben die gestern gefundene "Fine Arts" Stereoanlage "ausgegraben" und abgewaschen. Das tat auch not, denn darum kümmert sich hier keiner. Schallplatten gibt es auch jede Menge, leider etwas verstaubt und nicht gepflegt. Doch der DUAL 1019 Pattenspieler von 1972 hat Probleme. Und dann das Abendessen, das war lecker. Zu den 4 Scheiben gabs dann nochmal (".... aber ich habe doch gar keinen Hunger mehr") 2 große Scheiben Knäcke-Brot mit Wurst als Nachschlag und alles war dann am Ende plötzlich (doch) aufgegessen - also im Bauch.

Samstag - nichts Besonderes - oder doch ?

Heute wackelte mein Kreislauf, darum bin ich erst zum Abendessen hingefahren, diesmal mit unserem Auto. Und nach dem Essen haben wir etwas Besonderes geübt, nämlich mit der linken ehemals gelähmten Hand das linke Rad am Rollstuhl bewegen. Das war neu und das ist eine Premiere. Mit etwas Geduld klappt es sogar. Und heute Nacht werde ich einen Bewegungstrainer im Internet bestellen, für die Beine.
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Sonntag - Einmal Kurpark und zurück

Herrliches Spätsommerwetter, fast schon zu heiß. Doch die kleine Runde in den Kurpark soll die Beinmuskeln fordern und bewegen. Ein Versuch ohne die beiden vorderen Fußstützen hat bis auf wenige Meter gut geklappt. Am Ende waren wir beide klatsch-nass. Auch die Übungen mit der linken Hand, das linke Rollstuhlrad in beide Richtungen zu bewegen, wird langsam besser.
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Montag der 8.8.2016 - der neue Therapeut

Die Einführungs-"Vorlesung" hat super geklappt. Der Patient kann sich unter fachkundiger Anleitung erstaunlich gut bewegen und richtig stehen, wie die Bilder zeigen.
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Leckeres Essen, aber er mag keine Kapern

Königsberger Klopse mit Reis und Souße - und davon eine richtige große Portion für Erwachsene, eigentlich super toll. Doch er mag keine Kapern, wie schade.
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