Günter Bartoschs Bücher (aus 2013)
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Die Ehefrau kam dann auch wieder zurück ins Krankenhaus

Da die Ehefrau im Prinzip total bettlägrig war und jetzt überhaupt niemanden mehr zur Betreuung hatte, kam sie zurück in das gleiche Krankenhaus, aber dort sofort in die Palliativstation. Und das war ihr großes Glück.

Denn der Chefarzt dort hat sich sehr bemüht und die jetzt wirklich kompetente Schmerzteraphie hat Erfolg gezeigt. - Inzwischen - seit dem 17. April - ist sie in einem Senioren- und Pflegeheim angekommen und hofft dort bzw. wartet auf ihren immer noch schwerstbehinderten Ehemann. Doch dessen Reha wird aufgrund der kontinuierlichen Fortschritte nochmals verlängert.
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Und jetzt geht es los - mit dem Fachwissen

Eine vom Amtsgericht / Betreuungsgericht richterlich angeordnete Betreuung teilt sich in 5 Bereiche auf :
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  1. Sorge für die Gesundheit
  2. Aufenthaltsbestimmung
  3. Vermögensfürsorge
  4. Wohnungsgfürsorge
  5. Versicherungen und Behörden

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Die Teilbetreuung beginnt zumeist mit der Gesundheit und der Aufenthaltsbestimmung. Wenn nicht andere Vertrauenspersonen ihnen Zugang zur Wohnung des oder der Betreuten ermöglichen, sind die Handlungspielräume sehr beschränkt und nahezu wirkungslos.
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Und manchmal geht es "hopplahop"

Meine Bestellung bezüglich der Gesunsheitsfürsorge dauerte nur wenige Stunden. Es ist erst mal nur eine typische administrative Verschiebung der Verantwortung für unangenehme Entscheidungen. Beispiel sei hier die fundamentale Entscheidung zur Beendigung der Ernährung bei irreparablen Schäden durch völlig abgestorbene Gehirnteile.

(Ein Beispiel ist das Langzeit-Koma - - Bei dem Rennfahrer Michael Schumacher dauert es bereits 24 Monate und selbst ein nicht Betroffener vermutet dort Erbstreitigkeiten um viele Millionen).
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Glück braucht der Patient immer

Nachdem in der Neurologie im Krankenhaus doch einige kleine Fortschritte erkennbar waren, ist der Ehemann am 22.3.2016 (mit einer indirekten Diagnose "hoffnungslos") in die neurologische Rehabilitation verlegt worden und konträr zur Perspektive, es ist wirklich erstaunlich, es geht voran.

Seit etwa Mitte April 2016
kann der Patient wieder zusammenhängende Sätze in leiser aber hörbarer Lautstärke formulieren und sprechen, auch macht das anfängliche Unvermögen, Nahrung durch den Mund zu schlucken (bislang Ernährung durch eine Magensonde), einige Fortschritte. Der Adamsapfel bewegt sich auch wieder und kleine Portionen Apfelmus werden durch die Logopädin gefüttert und landen nachweislich im Magen.

Seit der letzten Aprilwoche 2016
darf und kann der Ehemann mit einem Löffelchen kleine Portionen fester Nahrung zu sich nehmen, sogar selbsttätig mit der rechten Hand - und trinken aus einem Glas oder einer Tasse funktioniert auch wieder. Die Grob- und Feinmotorik, mit der der Patient einen kleinen Teelöffel mit Speisen zielgerecht vom Tablett entnimmt und absolut zielgenau in den Mund schiebt bzw. führt, ist wieder voll in Ordnung.

Auch das Trinken aus einer fast vollen Tasse mit heißem Tee gelingt, ohne sich dabei die Lippen zu verbrennen. Alles in Allem überaus begeisterungsfähig - nach den damaligen allersten deprimierenden Eindrücken.
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Für den/die Patienten bleibt erstmal alles im Nichts "stehen".

Für die Betroffenen ist das Wegtauchen in Krankenhaus und Reha wie ein Dauerschlaf. In der Realität geht aber alles weiter, seien es nur die Steuererklärungen, die in Zwangsgeld und Zwangsvollstreckung münden können. Es weiß ja (immer noch) keiner, was da abgegangen war. Es ist ja auch erst mal niemand da, der sich drum kümmert. Auch die weiterlaufende Miete und die Nebenkosten wollen bezahlt werden.

Der nächste Schritt ist der Kontakt mit dem Hausarzt, eventuell einem Facharzt, den Sozialarbeitern in Krankenhaus und Reha-Klink sowie der Betreuungsbehörde, falls eine Rückkehr in die alte Wohnung ausgeschlossen ist. Den Kontakt zum Rechtspfleger gibt es ja bereits.
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Problematisch wird es, wenn beide Eheleute betroffen sind

Wenn sich die Eheleute oder Lebenspartner nicht gegenseitig unterstützen können, wie in diesem speziellen Fall, wird es besonders problematisch. Dann wird das Rad der Zeit beinahe angehalten.

Jetzt sind Wohnungsschlüssel, Autoschlüssel, Patientenverfügungen, Testamente, Vollmachten, Telefon- und Benachrichtigungslisten sowie Bankverbindungen usw. ein Thema.
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Der Vertrag oder die Verträge mit dem Pflegeheim . . .

Da sich die Betreuten nicht selbst kundig machen können, was sie da unterschreiben sollen oder müssen, ist das mit den Verträgen für die Pflege - also das Pflegeheim - durchaus problematisch.

Diese Chronologie ist erst mal nur geparkt:
Darum erst noch ein Rückblick

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Der "Liegend-Transport" aus der neurologischen Klinik
In der REHA-Klinik angekommen
  • 22. März - Der Ehemann war am 22. März von der neurologischen Abteilung des Intensiv-Krankenhauses in eine neurologische REHA Klink in der Nähe meines Wohnortes Wiesbaden Bierstadt verlegt worden.
  • 6. April - Seit dem 6. April kann der Eheman wieder sehr leise aber verständlich sprechen.
  • 11. April - Er hat zum ersten Male wieder Nahrung (Apfelmus) durch den Mund gelöffelt bekommen (von der Logopädin).
  • 20. April - Die Ehefrau ist am 20. April 2016 aus der Palliativ-Abteilung der Klinik in ein Pflegeheim umgesiedelt (worden).
  • 28. April - Und seit dem 28. April kann der Ehemann mit der rechten Hand selbsttätig vorbereitete feste Nahrung mit einem Metallöffel zu sich nehmen. Seitdem ißt er ganz alleine ohne Hilfe ganz normal feste Nahrung, auch wenn es erstmal nur passiertes Brot mit spezieller Wurst ist - man nennt es auch Kraftfutter für den ehemals inaktiven Magen.
  • Auch bei der Ehefrau im Pflegeheim hat sich die inzwischen qualifizierte Einstellung der Schmerzmedikamente positiv ausgewirkt. Das Leben ist beinahe wieder lebenswert.

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Sonntag 1. Mai 2016

Am 1. Mai 2016 um 20.oo Uhr haben beide Eheleute erstmalig seit dem Schlaganfall am 25.2.2016 wieder miteinander telefoniert, über 5 Minuten lang, unter Freudentränen natürlich. -

Ich hatte am Samstag ein iPhone 5s samt Spezial-iphone- Mikrofon-Kopfhörer gekauft, damit die beiden Eheleute endlich wieder miteinander sprechen konnten.
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Montag, 2. Mai 2016 - zum ersten Male auf 2 Beinen

Der Ehemannm macht erfreuliche erstaunliche Fortschritte. Heute Mittag (Montag) haben ihn die zwei Terapeutinnen aus dem Rollstuhl heraus auf seine zwei Beine gestellt und er ist an einem Handlauf ca. 5 Meter eigenständig gegangen. Dazu schlabbert er jede Menge Eiskrem und natürlich auch sein geliebtes Zero Cola. Erstaunlicherweise geht jetzt die 1 Liter-Flasche Kirschsaft genauso in großen Mengen runter wie das Cola. Die 6 Liter Kirschsaft waren ganz schnell weg.

Und das Telefonieren mit den iPhone 5s samt großer Bowers & Wilkens Spezial-iphone- Mikrofon-Kopfhörer klappt deutlich besser als gestern, heute waren es bereit 15 Minuten.
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Donnerstag, 5. Mai 2016 - erster "Ausflug" im Rollstuhl

Am Donnerstag (Feiertag) war es natürlich besonders langweilig, weil in der REHA nichts passiert. Also hatte ich beim Personal nachgefragt, ob ich "den Patienten" samt Rollstuhl für eine Stunde entführen dürfe. So sind wir beide - ganz langsam - zuerst in die Cafeteria und dort auf die Terrasse gerollt, haben 5 Minuten die wunderschöne Sonne und den noch schöneren Taunusblick genossen und dann sind wir noch nach draußen auf den Bürgersteig gerollt. So hatte der Patient erstmalig das Klinik-Gebäude von außen sehen können, in dem er seit 8 Wochen "wohnt", ein für ihn sehr motivierendes Erlebnis.
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Freitag, der 6.Mai 2016 - ein toller Tag

Der Patient braucht nicht mehr das nicht besonders wohlschmeckende passierte Brot mit dem komischen braunen wurstähnlichen Brotaufstrich zu essen (der Spezialist spricht korrekt von Kraftfutter), er darf schon ganz normales Brot mit Schnittwurst und Käse essen. Es geht also voran.
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Samstag, 7. Mai 2016 - es schmeckt super

Heute Mittag gabs oben in der Klinik bereits Geschnetzeltes mit Nudeln. Und weil das wegen der gewürzten Souße so super geschmeckt hatte, sind wir beide runter in die Cafeteria (Patient im Rollstuhl und ich habe geschoben) und haben nochmal eine (kleine Senioren-) Portion Nudeln mit Hähnchengeschnetzeltem samt leckerer Pilzsoße bestellt. Ich hatte Putenbrust mit Reis und Souße und gemeinsam schmeckt das Essen sowieso doppelt so gut. Bilder sind auch vorhanden, die kommen noch. Der Patient hat alles aufgegessen und auch den Nachtisch weggeschlabbert.
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Mittags - 14Uhr im Apothekergarten

Und weil das tolle Sonnen-Wetter auch noch zusätzlich motivierend wirkt, der Blick in den hellgrünen Taunus ist wirklich anregend, sind wir raus auf die Straße und gegenüber in den Apothekergarten "gerollt", zwar langsam mit einigen Problemen am Bordstein, aber wir sind auch nach 20 Minuten wieder heil zurück gekommen.

Und dazu haben wir angefangen, mit einer kleinen mit Wasser gefüllten Cola-Flasche (aus Plastik natürlich) ernsthafte Bewegungsübungen mit dem rechten Arm zu veranstalten. Also es wird . . . . . .
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Sonntag 8. Mai - Schokoladeneis - Motivation ist alles

Nach Absagen aller eigener familiären Treffen wegen Grippe habe ich Mittags den Patienten besucht und eine große Kugel Schokoladeneis kredenzt. Das war lecker. Sodann hatte er mit etwas Ansporn die Kirschsaft-Flasche mit der linken - immer noch deutlich verkrampften - Hand festgehalten und mit der rechten beweglichen Hand den noch versiegelten Verschluß aufgedreht ... und sich danach selbst ein halbes Glas eingeschenkt. Dann jedoch war die Luft raus und ich habe die Flasche wieder zugedreht.
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Montag 9. Mai - Nudeln mit italienischer Souße

und dann auch noch gut gewürzt, da lachte das Herz wieder. Der Patient hat alles aufgegessen, zwar nach mehrfachen "Anregungen" meinerseits, es gäbe nur Eis, wenn alles "alle" würde.

Als Belohnung gab es Vanille-Eis mit Kirscheinlagen und eine Viertelstunde purer Sonne auf der Cafe Terrasse. Der letzte Wunsch, endlich wieder ein richtiges Bier, damit er Nachts besser schlafen könne.

Also bekam er noch am Abend 4 verschiedene Flaschen "antialkoholisches" Bier und er strahlte über alle 6 Backen. Eine wurde natürlich sofort probiert. Auch das Aufschrauben der Flaschen- Dreh-Verschlüsse trotz verkrampfter linker Hand kommt so langsam in die Gänge.
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Dienstag 10. Mai

Endlich ist auch die bestellte Tageszeitung beim Patienten angekommen und heute hat er erstaunlich laut und klar und deutlich gesprochen, während er mit seiner Frau telefoniert hat. Das war erfreulich.

Donnerstag - Heute "war nicht gut"

Das mit dem Aufstehen und rüber in den Rollstuhl wollte heute nicht klappen, und das mit dem Stehen auf "zwei" Beinen auch nicht. Nun gut, es kann nicht immer alles klappen. Dafür gab es zwar schmackhaftes Essen, -- aber keinen Frischluftausflug ins Grüne und damit auch kein Schokoladen-Eis in der Cafeteria.

Freitag der 13. Mai - ... war dennoch gut - trotz Spinat

Am Vormittag wurde der Patient wieder auf seine beiden Beine gestellt und es funktioniert leidlich, mit etwas Mühe. Als Dank oder Lohn dafür gabs Mittags Spinat - igittigit - er mag seit Geburt an keinen Spinat, hat aber tapfer aufgegessen. Aber dafür gabs dann nach dem Mittag wieder 2 Bällchen Schokoladeneis in der Cafeteria.
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